900 Jahre Kirchengeschichte - 1113-2013

 

900 Jahre Kirchengeschichte   –   1113 - 2013

 

900 Jahre Kirchengeschichte in sechs Eiderstedter Kirchen 1113-2013

Mit dem Festgottesdienst in St. Anna am Pfingstsonntag, den 19. Mai 2013, beginnen um 10.15 Uhr in Anwesenheit von Landesbischof Gerhard Ulrich die 900-Jahr-Feierlichkeiten von sechs Eiderstedter Kirchen. Sie enden mit dem Erntedankgottesdienst ebenfalls in St. Anna am Sonntag, den 6. Oktober 2013 um 10.15 Uhr.


 

Eröffnungsgottesdienst zu den Feierlichkeiten zum 900. Geburtstag der Kirchen in Katharinenheerd, Osterhever, Poppenbüll, Tetenbüll, Vollerwiek und Welt

 

Vor dem Pastorat Tetenbüll: Propst Jürgen Jessen-Thiesen und Bischof Gerhard Ulrich

 

  

Prozession vom Pastorat zur Kirche St. Anna in Tetenbüll

 

Am Sonntag, dem 19. Mai 2013, eröffnete der scheidende Schleswiger Bischof und designierte Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich, die Feierlichkeiten mit einem großartigen Pfingstfestgottesdienst. Die stattliche Kirche St. Anna in Tetenbüll war wohl gefüllt. Orgel, Klavier, Posaunen und Kirchenchor waren ein großartiges musikalisches Erlebnis. Bischof Gerhard Ulrich, Propst Jürgen Jessen-Thiesen, Pastorin Eva Hoefflin, Pastor Ralf-Thomas Knippenberg sowie Hausherr Pastor Holger Beermann sorgten für einen teils wortgewaltigen geistlichen und weltlichen Festtagsrahmen. Die Kirchengemeinden wurden vertreten durch die Vereine und Feuerwehren aus den Dörfern der sechs Jubiläumskirchen.

 

                      

Festlicher Einzug und Kreuzigungsgruppe

 

  

Altarraum mit hohen Gästen

 

Erstes Highlight war der wort- und sprachgewaltige, plattdeutsche Vortrag der Pfingstepistel durch Pastor Knippenberg, dem Hünen unter den Eiderstedter Pastoren. Er las „De Apostelgeschicht‘, Dat 2. Kapitel, 2,1-18“ aus „Dat ole un dat nie Testament in unse modern Spraak“ von Johannes Jessen und begann:

„As nu de Pingstdag dor wär, do seeten se all‘ tohop un luern up dat, wat nu kamen schull. Un dat duer nich lang, do fung dat an to susen un to brusen vun’n Hewen her, grad so as wenn en Storm upkümmt, un in dat ganse Hus, wo se seeten, wär dat to spörn.“ – Die komplette plattdeutsche Pfingstepistel können Sie hier nachlesen.

 

  

Kirchenchor und Posaunenchor

 

Bischof Ulrich hält die Predigt

 

In seiner Pfingstpredigt greift Bischof Ulrich diesen Beginn der Pfingstepistel auf: „Und es hob ein Sausen und Brausen an, wie ein Sturm.“ Die Eiderstedter würden das ja zur Genüge kennen, unberechenbare Nordseestürme, die das Haus durchrütteln etc.. „Dann ist spürbar die Kraft und die Macht der Schöpfung, nicht selten bedrohlich.“ – „Türen sind verriegelt, Augen blicken bang. Menschen fürchten Menschen, keiner wird mehr froh! – so umschreibt ein Kinderlied zu Pfingsten die Situation der ersten Christen in den Wochen nach Karfreitag und Ostern.“ – Bischof Ulrich erinnert daran: „Die Christenheit ist Erinnerungs- und Erzählgemeinschaft – das wurde damals grundgelegt und gilt bis heute. Und erinnern tun Sie sich mit Dank und Stolz an die 900 Jahre Kirche auf Eiderstedt.“ Wahrlich, der Ursprung der sechs Kirchen geht auf eine weniger rühmliche Legende zurück: Vor 900 Jahren begann der Gardinger Pastor seinen Gottesdienst einmal zu früh, worüber die Gläubigen aus den umliegenden Dörfern so erbost waren, dass sie den armen Geistlichen erschlugen. Die Gardinger ließen die Dörfler fortan nicht mehr in ihre Kirche und trotzig bauten die Dörfler ihre Kirchen im eigenen Dorf. Bischof Ulrich dazu: „Und genau deswegen werden ja bis heute für das Amt des Pastors in Garding hünenhafte Gestalten gesucht, die sich notfalls zu wehren wissen. Und wenn es zu toll werden sollte,… dann sagen Sie Bescheid, dann singen wir denen was vor: ‚Sympathy for the Devil‘“ (Anm.: ein Rockklassiker der Rolling Stones). Er verweist auf die „deutliche Diakonie, die die für uns Christen selbstverständliche Sorge um die Schwächsten zum Ausdruck bringt – in einer Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren gilt.“ Er lobt die Kooperation der Kirchengemeinden auf Eiderstedt: „Und das ist es doch, was Pfingsten meint und ausmacht: Schluss mit dem Kirchturmdenken. Schluss mit dem: Wat geiht di dat an! Oder wat geiht mi dat an!“ Er freut sich: „Die alten Gotteshäuser sind prächtig in Schuss, gut so! Sie müssen überhaupt nicht vor Gebrauch geschont werden, im Gegenteil! Die Gotteshäuser sind der Liebe wert, also lieben Sie sie und kommen Sie in sie hinein.“ Am Ende seiner Predigt verweist er auf die Träume, von denen Petrus spricht. Bischof Ulrich habe selbst Träume: „Ich habe den Traum, dass eines Tages die Welt des Frieden Gottes lebt,… dass alle Menschen einander achten – barrierefrei, über Vorurteile hinweg,… dass eines Tages die Menschen ihr Misstrauen ablegen und mit offenen Händen aufeinander zugehen,… dass eines Tages die geschundene Schöpfung sich erhebt und wird, wie Gott sie als gut befunden hat. Und solcher Traum wächst und will heraus.“ – Wir danken Bischof Ulrich, dass er uns die Veröffentlichung seiner Pfingstpredigt gestattet – Sie können sie hier nachlesen.

 

  

Kirchenschiff und Fürbittengebet

 

Das Fürbittengebet sprechen Pastorin Eva Hoefflin sowie Vertreter der örtlichen Vereine und der Freiwilligen Feuerwehr. Sie wenden sich mit Vertrauen an Gott, bitten für die Kranken und Schwachen, für die Kinder und Jugendlichen, für Freundschaft, Gemeinschaft und Geborgenheit in unseren Familien, Vereinen und Gruppen, für den respektvollen und freundschaftlichen Umgang untereinander, für Frieden und Gerechtigkeit, für die Opfer von Hunger, Gewalt und Unterdrückung, für die Senioren unter uns, für den Erhalt der Natur und ihrer Vielfalt und Schönheit und schließlich für alle, die sich ehrenamtlich einsetzen in unserer Gesellschaft; sie mögen „sich nicht entmutigen lassen, wenn ihre Mühe manchmal nur wenig Erfolg hat oder wenn es Konflikte gibt. Lass‘ sie mehr Unterstützung finden als Gegenwind.“

 

                

 

Gedruckt aus: © 2017 Tetenbüll - das Herzstück Eiderstedts