BV Tetenbüll von 1894 e. V. - Boßel-Interna

 

In unserer Festschrift zum Unterverbandsfest der Eiderstedter Boßler in Tetenbüll am Sonntag, den 10. Juni 2012, haben wir u. a. Boßelgeschichten und unsere Boßellieder zum Besten gegeben. An dieser Stelle möchten wir den Liebhaber historischer Details noch an einigen Boßel-Interna teilhaben lassen:

 

 

Historische Feldkämpfe

 

Der älteste wirklich nachvollziehbar dokumentierte Feldkampf von Tetenbüller Boßlern ist datiert auf den 8 Februar 1827. 25 Mann aus den “Sieversflethen-Koogs-Bühr gegen Osterkoogs-Bühr“ mit jeweils drei Wurf, den die Sieversflether gewonnen haben mit 4 „Schüssen“ und einem „Kiekaus“, geschehen mit der Kleinen (Soweit erkennbar, wurde damals mit unterschiedlichen Boßeln geworfen). In einigen Rollen heißt es “mit der Kleinen“, in anderen “mit der Großen“.

 

Eine weitere Boßelrolle enthält noch relativ gut leserlich die Namen, aber leider kein Datum. Es kann sehr gut sein, dass diese folgende Rolle noch älter ist als jene von 1827.

 

Boßelrolle für den Sieversfl. Koog:

 

1. Carl Dietrich Lokonitz,
2. Peter J. Timon,
3. Thomas Johannsen,
4. Peter J. Kähler,
5. Jacob Cornils,
6. Jürgen Lorens,
7. Andreas Schmidt,
8. Volquard Hems,
9. Boye Magnus,
10. Hans Fr. Hansen,
11. Thomas Thomsen,
12. M. S. Deethmann,
13. Jürgen Gosch,
14. Hans Boyens,
15. Claus Jens,
16. Jacob Willms,
17. Johannes Fr. Honnens.

 

Stockleger: 1. Johann Jens, 2. Peter Schönberg.
Bahnanzeiger: Claus Jacobs.
Rolleser: Johann Zinnendorf.

 

Nachrichtlich: Die Schmiede von Lokonitz stand einst an der Ecke Strohschmiedsweg / Warmhörner Deich (Helmut Balkowski, H.H.Andresen, Kay Sierk).

 

 

Weitere Boßel-Rollen, die noch gut lesbar sind und Zeitangaben enthalten, berichten von Feldkämpfen - jenseits der Vereinsgründung - am:

 

10. Februar 1827: Sieversflethenkoogs-Bühr gegen Altneukoogs-Bühr mit 30 Mann, jeweils drei Würfe.

 

21. Februar 1828: Sieversflethenkoogs-Bühr gegen Wasserkoogs-Bühr mit 30 Mann, jeweils drei Würfe.“Gewonnen von Sieversfleth mit 3 Schüssen auf und einem Kukenaus“.

 

21. Januar 1929: Sieversflethenkoogs-Bühr gegen Wasserkoogs-Bühr mit 26 Mann je 3 Würfe. Vom Wasserkoog mit 8 Schüssen und etwas Voraus gewonnen.

 

27. Februar 1832: Sieversflethenkoogs-Bühr gegen Wasserkoogs-Bühr mit 35 Mann je 3 Würfe. Sieversfleth mit 4 Schüssen und etwas Voraus gewonnen.

 

27. Dezember 1844: “Sieversflethen-, Altneu- und Marschkoogs-Bühr gegen Wasserkoogs-, Adenbüllkoogs-Bühr und TetenbüllStraße mit 60 Mann je 2 Würfe“. Es ist kein Sieg vermerkt, daher vermutlich von Sieversfleth verloren.

 

5. Februar 1845: Kirchspiel Tetenbüll gegen Oldenswort mit 101 Mann je 2 Würfe. Den Feldkampf gewann Tetenbüll mit 2 Schuß “und etwas Voraus“.

 

10. Januar 1847: Sieversflethenkoog Männer gegen Jünglinge mit 12 Mann. Die Männer verloren den Kampf mit 1 Schuß voraus.

 

20. Januar 1847: Sieversflethenkoogs-, Adenbüllerkoogs- und Altneukoogs-Bühr gegen Uelvesbüll mit 30 Mann je drei Würfe. Den Kampf konnte Tetenbüll mit „5 Schüssen auf und einem großen Kukenaus“ gewinnen.

 

Uswusf…

 

 

In der Zeit danach kam es zu drei historischen Feldkämpfen über jeweils 101 Mann gegen Garding, jedoch verteilt über 6 Jahrzehnte. Der erste Feldkampf fand am 2. Februar 1865 statt, der zweite im Jahre 1897, der dritte am 24. Februar 1924. Alle drei Feldkämpfe wurden vom Tetenbüller Verein gewonnen.

 

Gefeiert wurde damals mit Theater, Kommers, Kaffeetafel und Tanz. In einer Protokollnotiz heißt es u.a.: „Am 2. Februar 1926 feierte der hiesige Boßelverein sein diesjähriges Vereinsvergnügen in üblicher Weise mit Theater, Kommers, Kaffeetafel und Tanz. Anwesend war eine Vertretung des Boßelvereins für Stadt und Kirchspiel Garding, welche die im Jahre 1924 vom hiesigen Verein errungene Goldene-Boßel überbrachte.“

 

Nach 59 Jahren hatte man es auf beiden Seiten offensichtlich nicht mehr so eilig, die fällige goldene Boßel zu überreichen.

 

Jahrzehnte Kompakt

 

 

„Ehren“-Interview

 

Kein Feldkampf des BV Tetenbüll geht ohne seine Ehrenmitglieder vonstatten, die den eisigen Temperaturen trotzen, die Fahne in den Wind halten und die Boßler kräftig anfeuern.

 

Dazu zählt zum Einen unser Bahnanweiser Erich Wolf. Er ist zum großen Teil für die gute Stimmung hinter unserer Fahne verantwortlich und gibt seit vielen Jahren zuverlässig die Richtung vor.

 

Ebenfalls unentbehrlich sind Hans Martens, unser Ehrenvorsitzender, der verdient den Titel „Tetenbüller Boßellexikon“ trägt, Henning Möller, der seit 2002 Ehrenmitglied ist und oft den Part des Rollenlesers übernimmt, und Uwe Cornils, der erste Mann an der Boßel, der eine sagenumwobene und legendäre Nähe zu fallenden Boßeln hat.

 

Bei unserer letzten Versammlung hatten Matthias Johns und Nico Lorenzen die Möglichkeit, drei anwesenden Ehrenmitgliedern einige Fragen zu stellen und erfuhren eine Menge interessanter Geschichten und witziger Anekdoten.

 

Auf die Frage „Sag mal, Onkel Hans, wie war das so bei Tante Lieschen?“, antwortete dieser mit einem breiten Grinsen: „Allerbest“. Daraufhin wurde Tante Lieschen einstimmig von allen Befragten dafür gelobt, was sie so alles in ihrer Küche zurecht bekam.

 

Danach wollten wir von Onkel Hans wissen, ob die Mannschaften beim Feldkampf heute noch genau so angefeuert würden, wie früher. Hans stellte fest, dass es früher nicht üblich war, die ganzen Boßler hinter der Fahne zu versammeln. Jedoch waren die Gruppenzahlen insgesamt größer, sodass die Stimmung am Deich auf jeden Fall vergleichbar gewesen sei. So´n paar Verrückte, die da ordentlich rumschriehen seien ja schon immer dabei gewesen.

 

Außerdem interessierte Matze und Nico noch, wie viele Boßeltouren Onkel Hans schon miterlebt hat. Hans berichtete, dass er, seitdem er 1946 mit dem Boßelsport begann, weder ein Unterverbandsfest, noch eine Oldenburgtour verpasst habe. Nur einmal sei es vorgekommen, dass er bei einem Hauptverbandsfest fehlte.

 

Unsere nächste Frage ging an Onkel Uwe: „Hast du nicht mal Angst, `ne Boßel an den Kopf zu bekommen?“. Uwe musste lachen: „Ne, dat is eben dat dicke Fell“. (Redaktion: Kein Kommentar…)

 

Bei jedem Feldkampf über Land werden Uwes Gerüstbohlen zum Überqueren der Gräben gebraucht. Wir haben ihn gefragt, ob er diese einst nur fürs Boßeln angeschafft habe, und erfuhren, dass die Bretter ursprünglich zurückgebliebene Requisiten eines Filmes seien, der am Tetenbüll Spieker gedreht wurde und Onkel Uwe sie vor den Fluten gerettet habe. Seither erfüllen sie für uns ihren treuen Dienst und vermeiden nasse Füße.

 

Von unserem Ehrenmitglied Henning Möller, gleichzeitig Bürgermeister des Dorfes, wollten wir wissen, ob er lieber bei den Boßlern oder bei den Ringreitern sei. Ohne zu zögern antwortete Onkel Henning: „ Leever biet Boßeln !“

 

Weiterhin berichtete er uns von seiner Tätigkeit als Rollenleser. So machte er in der Rolle gerade Striche bei einem geraden Wurf und schräge Striche für schiefe Würfe. Ebenfalls konnte man an Onkel Hennings Strichen die Weite eines Wurfes ablesen. Dicke und lange Striche standen dabei für eine große Meterzahl. „Dat kann man hüt noch in de Rull noleesen“, fügte er stolz hinzu.

 

Erich Wolf wurde 1970 von Hans Martens gebeten, die Fahne zu übernehmen und damit der Nachfolger von Uwe Pauls zu werden. Also hält Onkel Erich nun bereits seit 42 Jahren die Fahne des BV Tetenbüll in den Wind, und es drängte sich uns die Frage auf, ob sie immer noch genauso schwer sei wie früher.

 

Onkel Erich erwiderte, die Fahne sei noch genauso schwer wie früher und auch die vielen Siege hätten daran nichts geändert. Weiterhin beteuerte er mit einem Grinsen: „Aber ich trage sie immer noch gerne“.

 

Matze fragte Erich noch, ob er sich schon mal verzählt hätte, wenn er große Weiten abgepeert hätte. Meistens bekomme er das schon ganz gut hin, aber man könne sich ja nicht immer sicher sein, lautete die Antwort. Erich fügte noch hinzu, dass er durch seine Arbeit am Deich oft genug große Strecken abgemessen habe, so dass er ein gutes Gefühl für die Weite habe.

 

Schließlich wurmte uns jedoch noch eine Frage: „Sag´ mal , Onkel Erich, wenn einer von uns schlecht wirft, kriegt er dann von Dir auch wirklich einen mit „ Eik“ ?

 

Zu unserer Beruhigung versicherte Erich: „Das kriegt keiner“. Er habe den Schnack mal von dem Dithmarscher Willi Hinz übernommen.

 

Auch als Matze und Nico schon lange die Fragen ausgegangen waren, durften sie noch zuhören, während die Ehrenmitglieder sich an ein paar alte Boßelgeschichten erinnerten. Unter anderem berichteten sie unter viel Gelächter von einem Boßelkollegen, dem bei einer Drehung mit besonders viel Schwung das Gebiss aus dem Mund geflogen war. Seit dem Tag legte er seine „3.“ bei jedem Wurf lieber erst zur Seite.

 

Onkel Hans fiel noch ein, dass der Festball nach einigen Unterverbandsfesten in drei verschiedenen Lokalen veranstaltet wurde, weil ein einziges nicht genug Platz für all die feierfreudigen Boßler geboten hatte.

 

Weiterhin erfuhren wir noch einige Geschichten aus Tante Lieschens guter Stube, die an dieser Stelle unerwähnt bleiben sollten. Wer dabei war, kann sich auf die Schulter klopfen und sich mit einem breiten Grinsen seinen Teil denken.

 

Matze und Nico bedanken sich für die authentischen Antworten und die interessanten Einblicke bei unseren „passiv-aktiven“ Ehrenmitgliedern. Und schließlich möchten wir es an dieser Stelle nicht versäumen, uns für die aufopferungsvolle und großartige Unterstützung durch unsere Ehrenmitglieder recht herzlich zu bedanken.

 

DANKESCHÖN!!!

 
 

Gedruckt aus: © 2017 Tetenbüll - das Herzstück Eiderstedts