Gemeinde Tetenb├╝ll - Sieversfleth

 

In vielen Häusern unserer Gemeinde schlummern noch historische Schätze und unerzählte Geschichten mit ihren Bildern, an denen wir natürlich sehr interessiert sind. Wir möchten dazu beitragen, dass dieses Erbe nicht für immer verloren geht. Deshalb sind wir besonders dankbar, dass Marie und Johannes Törper aus Sieversfleth uns zwei Briefe vom 1. Januar 1863 zur Verfügung gestellt haben, die wir an dieser Stelle veröffentlichen dürfen. Diese Briefe wurden seinerzeit geschrieben von Abel Dircks aus Westerhever, später verheiratet mit Harl Törper aus Sieversfleth, und ihrem Bruder Boye. Abel und Harl Törper sind die Großeltern von Johannes Törper.

 

Tochter Abel und Sohn Boye Dircks haben ihren Vater am 1. Januar 1863 mit einem besonderen Neujahrsgruß bedacht. In unserer heutigen, schnelllebigen Zeit, in der fast alles als selbstverständlich angesehen wird, muten diese Briefe vielleicht etwas befremdlich an. Aber auch heute wäre es sicherlich ab und an einmal angebracht, Dankbarkeit und Demut zu zeigen.

Tochter und Sohn beziehen sich u. a. auf ihren Schulbesuch. Man könnte meinen, beide gingen noch zur Schule als die Briefe geschrieben wurden. Der Hinweis auf Osterhever lässt aber darauf schließen, dass beide dort schon in einer Anstellung waren.

Beide Briefe wurden auf wunderschönem Briefpapier mit Goldprägung in altdeutscher Schrift geschrieben. Wir haben diese Briefe ins heutige Schriftbild übertragen und veröffentlichen die Inhalte 1:1 wie sie geschrieben wurden inkl. kleinerer Wortfehler und fehlender Satzzeichen. Wir zeigen hier jeweils nur die erste Seite der beiden Briefe.

 

Harl Törper aus Sieversfleth mit seiner Frau Abel, geb. Dircks aus Westerhever

 

Abel an ihren Vater

 

An meinen lieben Vater zum neuen Jahre.

 

Osterhever d. 1sten Jan. 1863

 

Theuerster Vater!

Heute erinnere ich mich an die vielen Wohlthaten, die Sie mir in dem verflossenen Jahre erzeigt haben. Sie haben von meiner ersten Kindheit an immer mein Bestes befördert, Sie schicken mich täglich in die Schule, Sie nähren und kleiden mich und entbehren selbst gerne alles, was Sie nur können, um es nur mir zu geben und ich hoffe, dass Sie auch im neuen Jahre mit Gottes Hülfe fortfahren werden, mir Ihre Liebe zu beweisen. Ich kann Ihnen nie alles Gute wieder vergelten, aber ich will mich bestreben, einen Theil meiner Schuld abzutragen. Gerne will ich bereit sein, Ihnen bei Allem, wo ich nur kann behülflich zu sein und meinen Dank durch einen kindlichen Gehorsam zu beweisen. Haben Sie auch im verflossenen Jahre oftmals eine trübe Stunde gehabt, ist Ihr Herz auch betrübt und besorgt gewesen, so haben Sie auch doch wieder mal eine Freude genossen. Ich will den lieben Gott bitten, dass er Ihnen im neuen Jahre fortwährende Gesundheit und viele Freuden schenken möge, dass der Segen Gottes über Sie kommen möge und Sie begleiten bei Allem was Sie unternehmen, sowohl im Irdischen, als im Geistlichen. Nie will ich vergessen, dass Sie mein größter Wohlthäter sind, sondern mich bestreben Ihnen meinen wieder zu beweisen, damit Sie auch wieder Ihre Freude an mir haben mögen. Wir können nicht das Geringste in die Zukunft sehen aber wir wollen hoffen, dass Gott uns im neuen Jahre alles Gute schicken wird. Es wünscht, dass der Liebe Gott Ihnen ein recht hohes und zufriedenes Alter und das beste Wohlergehen schenken möge.

 

Ihre gehorsame Tochter Abel

 







 
 

 

Boye an seinen Vater
 

An meinen lieben Vater zum neuen Jahr.

 

Osterhever 1ter Januar (18)63

     

Lieber Vater!

Wieder ist ein Jahr verflossen und ein neues angefangen. Wenn wir auch in dem verflossenen Jahre einige trübe Stunden miteinander durchlebt haben, so hat Gott es doch zu unserem Besten dienen lassen und wir haben auch wieder heitere und fröhliche Tage gehabt. Das neue Jahr, wünsche ich, dass es mit Gottes Hülfe ein fröhliches Jahr für Sie werde und Gott Ihnen seinen Segen gebe. Ich will Gott bitten, dass er Ihnen in Gesundheit, Friede und Freude ein hohes Alter erreichen lasse. Ich sage Ihnen meinen herzlichen Dank für alles Gute, was ich in dem verflossenen Jahre von Ihnen erhalten habe. Sie haben mich täglich in die Schule geschickt, damit ich etwas lerne und mich, wenn ich der Schule entwachsen bin, nähren kann. Ich werde mich bestreben Ihnen auch wieder durch Gehorsam und Fleiß Freude zu machen und wenn ich größer werde und mit Gottes Hülfe gesund bleibe und Sie alt werden Sie zu unterstützen. In der Hoffnung, dass Sie fortfahren mich im neuen Jahr mich zu lieben, wie Sie mich im verflossenen Jahre geliebt haben, bin und bleibe ich

 

Ihr gehorsamer Sohn Boye

 







 
 

 

Gedruckt aus: © 2017 Tetenbüll - das Herzstück Eiderstedts