Bo├čelarten + Bo├čeltechniken

 

Der Feldkampf

Die ursprüngliche Form des Boßelns, die auch heute noch ausgeübt wird, ist der Feldboßelkampf zwischen den Mannschaften zweier Gemeinden, Dörfer oder Städte. Ein solcher Feldboßelkampf über die gefrorenen Marschfennen ist von unserem Dichter Theodor Storm (1817 bis 1888) in der Novelle „Der Schimmelreiter“ (erschienen 1888) dargestellt:

 "(…) Es war im Januar von Haukes drittem Dienstjahr, als ein Winterfest gehalten werden sollte; "Eisbosseln" nennen sie es hier. Ein ständiger Frost hatte beim Ruhen der Küstenwinde alle Gräben zwischen den Fennen mit einer festen ebenen Kristallfläche belegt, so daß die zerschnittenen Landstücke nun eine weite Bahn für das Werfen der kleinen mit Blei ausgegossenen Holzkugeln bildeten, womit das Ziel erreicht werden sollte. (…)“. 

 Bei so einem Feldkampf geht es über Wiesen, Äcker, Gräben und Zäune. Da der Boden heutzutage selten gefroren ist, finden diese Wettkämpfe meistens am Deich statt. Wenn der Wurf nach dem Aufkommen weiter ausläuft (Trüllern), so wird dies dem Wurf zugerechnet. Gerne wird dann gerufen „…he löppt immer noch!“.



Damit die aufgestellten Mannschaften immer in der gleichen Paarung gegeneinander antreten (1 gegen 1, 2 - 2, …), müssen die Werfer der Mannschaft, die mit einem Wurf weiter liegen als die gegnerische Mannschaft mit zwei Würfen geschafft hat, aussetzen. Die vorne liegende Mannschaft hat dann ein „Schott“. Dieses Schott (bzw. dieser Werfer) kann dann später, sollte diese Mannschaft mal zurückfallen, wieder eingesetzt werden. Jeder Werfer muss zweimal boßeln, einmal auf dem Hinweg und einmal auf dem Rückweg. Und was den Keglern der Pudel ist, ist der Bleier bei den Boßlern.
 
 Die Technik, die in Schleswig-Holstein angewandt wird, unterscheidet sich dabei von der Technik in Oldenburg und Ostfriesland. Näheres dazu im nächsten Abschnitt.

 
 


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Das Standboßeln

Um die absoluten Einzelleistungen zu ermitteln, wurde das Standboßeln eingeführt, d. h. das Werfen auf dem Wettkampfstand und die genaue Messung der Wurfleistung. Die Wurfart der schleswig-holsteinischen Boßler entspricht in etwa dem Diskuswurf. Der Werfer läuft an, er dreht sich um die eigene Längsachse, und schickt dann die Boßel aus dem langen Arm auf den Weg. Diese Technik ist auf dem folgenden Bild gut zu erkennen:

 

 

Mit dieser Technik wurde bisher nur von einem Boßler die Hundertmetermarke übertroffen. Sönke Dreeßen warf im Juli 1998 seinen weitesten Wurf mit 104,5 Metern.

Damit unterscheidet sich das Boßeln in Schleswig-Holstein grundlegend von den Techniken der Klootschießer in Ostfriesland und Oldenburg, dem Klootschießen in Holland und dem Bowl Play in Irland. Hier wird die Kugel ohne Umdrehung des Werfers, aber meistens mit einem Umschwung des ganzen Wurfarmes aus dem Unterarm heraus „geschossen“.



Bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts ähnelte die Wurfart der friesischen Klootschießer der Technik aus Schleswig-Holstein. Doch dann änderte sich diese dort wie zuvor beschrieben grundlegend. Die komplette Bewegung des Klootschießens in Ostfriesland und Oldenburg, bei dem am Ende eines ca. 30 Meter langen Teppichs ein federndes Sprungbrett zu Hilfe genommen wird, ist auf dem folgenden Bild dargestellt:

 

 

Der Aufbau eines Standkampfplatzes ist genau festgelegt. Wirft man zu weit nach links oder rechts, so landet die Boßel außerhalb der Bahn und wird mit 0 Metern gezählt.

Der Weltrekord wurde mit der Technik der Klootschießer von Stefan Albarus erreicht und liegt bei 106,2 Meter.

 


  

Das Straßenboßeln

Das Straßenboßeln hat sich aus der Tatsache entwickelt, dass es der hinter der Marsch liegenden Geest an freien Flächen mangelt. Büsche, Bäume, Hecken und kleinere Hügel machten es fast unmöglich, geeignete Wettkampfstrecken für das Klootschießen zu finden. Beim Straßenboßeln ist es wichtig, genau zu werfen, damit die Kugel nicht so schnell von der Straße rollt. Daher wird hier eher folgende Technik angewandt:

 

 

Die Iren, die bei internationalen Wettkämpfen auf der Straße schwer zu schlagen sind, nutzen beim Wurf eine komplette Armdrehung wie bem Klootschießen aus. Hier ein Bild des Irischen Spitzenboßlers Bill Daily von 1992, der auch „The King of the Road“ genannt wurde:

 

  

Das Feldboßeln

Beim Feldboßeln wird, wie beim Feldkampf, das Rollen der Boßel nach dem Aufkommen mitgerechnet. Dabei ist jegliche Technik erlaubt. In Schleswig-Holstein wir meistens über die Hand geworfen wie beim Baseball in den USA oder es wird flach geboßelt, damit die Kugel weiter rollt. In Ostfriesland und Oldenburg wird die gleiche Technik genutzt wie beim Standkampf, nur der Teppich und das Sprungbrett werden weggelassen. Nach der Drehung des Armes wird die Kugel von unten geworfen.

 
 

Die Kombimeisterschaft

Die Boßler, welche die drei Boßelarten Standboßeln, Straßenboßeln und Feldboßeln gleichermaßen gut beherrschen, haben die besten Voraussetzungen, um die Meisterschaft in der Kombination zu gewinnen. Ab einer gewissen Weite bekommt man für jeden weiteren Meter, den man darüber hinaus geworfen hat, Punkte gutgeschrieben. Die Grenze dieser Mindestweite wird mit höherem Alter immer geringer. Mit der Addition der Punkte aus allen drei Boßelarten, wird der beste „Boßel-Allrounder“ ermittelt.

  

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