Gemeinde Tetenbüll - Warmhörn

 

Warmhörn – die Bank von Tetenbüll

Der Gemeindeteil Warmhörn reicht im Norden etwa bis zur Hälfte des Kaltenhörner Deichs, im Westen bis zum letzten Haus der Reichen Reihe, im Süden bis zum Rehmstackerdeich und im Westen liegt die Grenze etwa auf der halben Strecke zum Rethdeich.

Warmhörn ist recht klein, war aber in früheren Zeiten recht selbstständig. Mit der Reichen Reihe zeigt sich bis heute ein gewisser Wohlstand. Vielleicht war das der Grund, dass die Zweigstelle der Bank im Gasthof Voß zu finden war. Links wurden Geldgeschäfte abgehandelt und rechts Thekengeschäfte.

Jeden Vormittag residierte U. Christiansen – der Bankangestellte – im Gasthof und erledigte die Geldgeschäfte; nachmittags wechselte er in die Mühle Andresen. Zum Gasthof gehörte auch die Viehwaage, selbstverständlich wurden hier alle Geschäfte in bar abgewickelt – allzu viele Bankräuber kann es nicht gegeben haben. Jedenfalls wurde von keinem Überfall berichtet.

Der Gasthof wurde von der Familie Voß an die Familie Clausen verkauft, welche Fuhrunternehmer waren, zu dieser Zeit kam nun auch eine Tankstelle nach Warmhörn. Frau Clausen betrieb einen kleinen Kaufmannsladen gegenüber am Kaltenhörner Deich.

Schon seit 1912 ist der Nachbar des Gasthofes die Schmiede der Familie Clasen. Gegenüber am Warmhörner Deich wohnte die Familie Peters, sie hatten die Posthoheit in Warmhörn. Auf der Rückseite des Gasthofs liegt die Schule von Warmhörn, seit 1874 haben die Warmhörner Kinder dort fürs Leben gelernt.

 


 
 

Quellen:
Geschichten der älteren Einwohner Warmhörns
Recherchiert und nacherzählt durch
Familie Binder – Alte Schule, Warmhörn



Heute ist das sehr kleine Örtchen mit nicht mal 10 Häusern sehr viel ruhiger geworden. Nur die Schmiede ist noch unverändert in Betrieb und im Besitz der Familie Clasen. Die Posthoheit liegt lange schon in Tönning, stattdessen kann man hier antike Möbel restaurieren lassen. Am Kaufmannsladen leben heute Schafe und der Gasthof war zwischenzeitlich ein Lammspezialitäten-Restaurant, ist aber nicht mehr bewirtschaftet. In die Schule ist nach fast fünf Jahrzehnten Nutzung durch einen Bauunternehmer wieder öffentliches Leben in Form eines Museums eingezogen.

Inmitten der Reichen Reihe stand eine Mühle. Die Reiche Reihe heißt übrigens so, weil hier einige große (und vermögende) Bauern ihre Domizile in einer Reihe – wie auf der Perlenschnur aufgezogen – aufgebaut haben. In der Mühle Andresen ist bis Ende der 40iger Jahre noch Brot gebacken und über halb Eiderstedt ausgeliefert worden. Das alte Mühlengebäude ist lange abgerissen, aber das Bäckerhaus steht noch, ein Stück den Deich hinauf hat der Bäcker im Dyckhus gewohnt.

Auch an der Reichen Reihe ist die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen. Besitzer kommen und gehen, nur in den seltensten Fällen sind es immer noch die alteingesessenen Familien. Die großen Höfe sind nach wie vor in privaten Händen und auch nur von außen und der Ferne zu besichtigen.

Ist man mit dem Drahtesel unterwegs, kann man die imposanten Haubarge aus der Ferne bewundern und viele der Gebäude mit wechselnder Geschichte wiederfinden. Eingebettet in die einzigartige Eiderstedter Landschaft, sind sie auch aus der Ferne schön.


 

Gedruckt aus: © 2017 Tetenbüll - das Herzstück Eiderstedts