Kulturelle Laienspielgruppe - Geschichte + Geschichten 1

 

Tetenbüller Dilettanten Verein

Dieser Gruppe, die etwa um 1880 bis 1905 hier am Orte bestand, gehörten u. a. die nachstehenden Mitglieder an:

1.    Cornils, Tete (Müller + Bäcker der Mühle in
         Tetenbüll)
2.    Hinrichs, Wilhelm (Osterkoog / Trindamm)
3.    Dietrich Markmann (Lehrer der Hauptschule)
4.    Pauls, Ferdinand L. (Trockenkoog)
5.    Peters, Lucie Katharine, geb. Hinrichs (Frau
        von Rats- + Lehnsmann Johannes Peters,
       1839 bis 1892)
6.    Peters, Minna Martje Margarete (Tocher von 5.,
        geb. 28.10.1868)
7.    Peters, Anna Luise (Tochter von 5., geb.
        04.05.1873)
8.    Peters, Anni (Deichgrafenhof / Margarethenhof /
        Marsch)
9.    Peters, Johann Tauchmann (Kaufmann in
        Tetenbüll-Dorf)
10. Schätzel, Constanze (Schätzelhof im
        Kirchenkoog)



Tete Cornils soll einst den Weingott Bacchus so trefflich gespielt haben, dass seine Frau Margarete sich in der Premiere des Aufrufs nicht enthalten konnte: "Oh mein Gott! Nu sitt he dor in′ne Unnerbüx, wat mutt he sich schamen!"

Leider sind keine Aufzeichnungen über Stücke und Darsteller mehr vorhanden. Eine Rekonstruktion der damaligen Verhältnisse läßt jedoch erkennen, dass man auch seinerzeit viel Freude am und beim Spiel hatte, wodurch der Mut zum Weitermachen gestärkt wurde.

Vermutlich durch das Ausscheiden verschiedener Mitgleider (Verheiratung, Fortzug und Tod) kam die Gruppenarbeit nach 1900 zum Ruhen. Hinzu kam, dass der mutmaßliche Initiator des Vereins, Lehrer Dietrich Markmann, am 1. April 1910 pensioniert wurde und zu seinen Kindern nach Hamburg zog.

Erwähnenswert erscheint aus dieser Epoche noch eine Notiz aus der Schulchronik, die besagt, dass im Jahre 1907 ein Kinderfest der Tetenbüller Schule stattfand, an dem 104 Schüler der Haupt- und Elementarschule teilnahmen.

 
 

1920 bis 1929

Bald nach dem Ersten Weltkrieg erinnerte man sich auch wieder an das Theaterspiel und fand, soweit erkennbar, in Lehrer J. Samuelson, der am 1. April 1923 aus Viöl kommend an die Tetenbüller Hauptschule berufen wurde, einen guten Spielleiter.

In dieser Zeit gelangte u. a. das Lustspiel "Sößtig Mark kurant", in dem neben einigen ehemaligen Mitgliedern des Dilettanten Vereins auch neue Darsteller mitwirkten, zur Aufführung. Marie Hausen (Jacobs) und Anita Oesen (Clausen) traten in diesem Stück erstmals auf.

Am 30. Juni 1923 feierte die Tetenbüler Schule mit 80 Schülern ihr Kinderfest. Zur Mitfinanzierung hatte man eine Haussammlung durchgeführt, die den stolzen Erlös von 536.000 Mark erbrachte (Inflationszeit)!! Der Betrag reichte aus, um jedem Kind einen Preis zu geben. Die Musikkosten trug die Gemeinde.

 

Der regenreiche Herbst brachte 1923 erhebliche Überschwemmungen, die es den Friddenbüller Schülern unmöglich machten, in der Zeit von den Herbstferien bis zum Frosteintritt im Dezember, die Schule zu besuchen.

In den folgenden Jahren fanden weitere Aufführungen statt, von denen Johannes Glismann noch eine Aufnahme zur Verfügung stand. [Anm.: Wir werden sie sicherlich im Nachlass von Johannes Glismann finden.] Wer damals mitspielte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Es erscheint jedoch naheliegend, weil der jeweilige Lehrer in der Regel auch Chorleiter war, dass die Darsteller vorrangig aus den Reihen der Chormitglieder angeworben wurden.

 
 

1930 bis 1939

Im Jahre 1930 gründete man neben dem Männergesangverein Tetenbüll von 1874 den Tetenbüller Frauenchor von 1930. Von den Mitgliedern der beiden Chöre wurden in den Folgejahren mehrfach Theaterstücke einstudiert und aufgeführt. [Anm.: Auch hierzu gibt es noch Bildmaterial, das wir sichten und einarbeiten werden.]

Es ist bekannt, dass man auch damals nach dem Üben noch gern zu einem Plauderstündchen im Gastzimmer saß, um sich an einem heißen Grog zu erwärmen.

Nach dem Fortgang von Lehrer Samuelsen übernahm Lehrer Georg Stoffer am 1. Oktober 1934 die Tetenbüller Hauptschule und ab 1. Januar 1935 die Leitung aller Chöre. Georg Stoffer war ebenfalls mit Freude und Elan bei der Sache. Er fand neben der Chorleitung auch noch Zeit für das Theaterspiel. Erstmals übte der Frauenchor ein Singspiel ein, von dem auch noch eine Aufnahme vorhanden ist.



Aus dieser Zeitepoche von 1930 bis 1939 sind noch folgende Stücke in Erinnerung:

"Sultan Plumm" von Julius Wichmann,
"Fred′n int Hus" von Julius Wichmann,
"Der Diener Fritz",
"Dat Stadtfrollein".

Auch von anderen Vereinen wie z. B. dem Kyffhäuserbund (Kriegerverein) sollen Theaterstücke eingeübt und unter der Leitung von Wilhelm Hamkens, aufgeführt worden sein. Die Aufführungen erfolgten in der Regel zu Eigenveranstaltungen.

 
 

1948 bis 1959 – Der erste Dorfabend

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Gemischte Chor Tetenbüll, der zuerst die Initiative ergriff und das Theaterstück "De swarte Söög" einübte, um es 1948 zum Vereinsfest aufzuführen.

Gegen Kriegsende waren viele Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie Evakuierte aus den Großstädten nach Tetenbüll gekommen. Als sich die Verhältnisse nach der Währungsreform (20. Juni 1948) wieder langsam normalisierten, wurde auf Anregung von Amtsvorsteher Wilhelm Hamkens und dem Vorsitzenden des Schul- und Kulturausschusses Rudolf Hamkens, Warmhörn, im Jahre 1949 ein Dorfabend als Geselligkeitsveranstaltung für die ganze Gemeinde vorbereitet.

Mit dieser Veranstaltung wollten die Initiatoren eine Verbesserung des Zusammenlebens von Einheimischen und Vertriebenen anstreben. Das Verhältnis zueinander war auf Grund der recht unterschiedlichen wirtschaftlichen und wohnungsmäßigen Verhältnisse nicht immer als glücklich zu bezeichnen. Aus dem Zusammensein in froher und geselliger Runde versprach man sich ein besseres Kennenlernen und mehr gegenseitiges Verständnis für die Sorgen und Nöte. Beides sollte dazu beitragen, ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zueinander zu schaffen.

Von diesen Gedanken ausgehend hatte man alle örtlichen Vereine und Verbände zusammengerufen, um eine Mitwirkung in der Programmgestaltung zu sondieren oder wenigstens eine Förderung und Unterstützung des Vorhabens zu erreichen. Damit von vornherein ein Erfolg sichergestellt war, entschied man sich, die Darbietungen auf eine breite Basis an Mitwirkenden zu stellen. Daneben war angestrebt, möglichst vielen Vereinen Gelegenheit zu geben, der Öffentlichkeit einen Ausschnitt aus ihrer Vereinstätigkeit vorzustellen.



Das Echo war weit größer als es sich die Veranstalter erhofft hatten. Spontan fanden sich mehr als hundert Personen bereit, die Ausgestaltung zu übernehmen. Neben den örtlichen Schulklassen, die allein rd. 50 Kinder stellten, beteiligten sich auch die örtlichen Vereine an der Programmgestaltung. Die Vertriebenenverbände boten ebenfalls ihre Beteiligung an. Otto Baranski (Schule II) berichtete in einem längeren Vortrag aus der ostpreußischen Heimat und Gerhard Daberkow über Sitten und Bräuche in Pommern.

Zu dieser Veranstaltung, die ein Mammutprogramm aufwies, kamen dann rd. 400 Personen, die sich mit aller Mühe keinesfalls in der Gastwirtschaft Walter Loof unterbringen ließen. Nachdem der Saal buchstäblich vollgepfercht war, reichte die "Schlange" der Einlaßbegehrenden durch das Gastzimmer bis in die ehemalige Durchfahrt (früher Obdach zum Unterstellen der Pferde und Wagen): Das Programm endete erst kurz vor Mitternacht. Danach folgte der gesellige Teil als Tanzveranstaltung. Die Reinerlöse aus diesen Veranstaltungen stellte man in der Anfangszeit für soziale Zwecke (Volkspflegeverein / Mütterverschickung) zur Verfügung.

Dorfabende, für die mehrfach Theaterstücke benötigt wurden, fanden regelmäßig bis zum Jahre 1966 statt.

 
 

Die Geschichte und Geschichten der Kulturellen Laienspielgruppe, die am 17. Oktober 1960 gegründet wurde, die gibt es –► hier.

 
 

 
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Haus Peters: Sommeraus-stellung von Uwe Thomas Guschl "Häuser, Hütten, Scheunen, Ställe" vom 08.07. bis 24.09.2017.