Kulturelle Laienspielgruppe - Geschichte + Geschichten 2

 

Kulturelle Film- und Laienspielgruppe

Unsere Kulturelle Film- und Laienspielgruppe wurde am 17. Oktober 1960 mit Beschluß der Vereinssatzung [Anm.: auf Initiative von Johannes Glismann] offiziell gegründet. Wie schon zuvor berichtet, betrieb man in Tetenbüll bereits erheblich länger Laienspiel. Nach Einführung der Dorfabende im Jahre 1949 ergab sich bereits das Bedürfnis, eine Laienspielgruppe aufzustellen.

Im Programm des Dorfabends 1952 heißt es z. B. "Theaterstück: Scheefe Kant dree von Gert Thiessen - Laienspielgruppe". Tatsächlich bestand jedoch keine feste Gruppe. Nach Auswahl eines Theaterstücks suchte man jeweils die benötigten Darsteller aus und warb sie an, wobei man verständlicherweise gern auf bekannte und bewährte Kräfte zurückgriff.

Zumindest in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre oblag Johannes Glismann die Aufgabe, die erforderlichen Darsteller anzuwerben. Daher erschien es durchaus vorteilhaft und wünschenswert, die vorhandenen Kräfte in einer selbständigen Gruppe zusammenzufassen, um den Zusammenhalt dieser Aktiven in kameradschaftlicher Verbindung zu sichern. Damit stand eine Anzahl bereitwilliger Darsteller zur Verfügung und war der Gruppe gleichzeitig ein gewisses Mitspracherecht in der Gemeinschaft der Kulturvereine gegeben.

Im Jahre 1960 hatte die damals zusammengestellte Gruppe das Feuerwehrstück "Alarm in Borsdörp" eingeübt, welches am 4. September 1960 zum Kreisfeuerwehrtag in Tetenbüll im Kirchspielkrug zur Aufführung gelangte. Diese Spielgruppe bildete den Grundstock der Kulturellen Film- und Laienspielgruppe. Mit Ausnahme von Egon Engel und Hans-Reimer Otto, die wegen Arbeitsplatzwechsel in Kürze Tetenbüll verlassen mußten, traten alle der neuen Gruppe bei. Hinzu kamen noch Heinz Drews, Dietrich Glasenapp und Heini Peters. Damit war die Gründung vollzogen.

Die Filmemacher unter uns

Auch die von Johannes Glismann im Jahre 1958 begonnene Herstellung von Filmen über örtliche Begebenheiten sollte in die Gruppenarbeit integriert werden. Diese Fundierung erschloß dann die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung für das Vorhaben zu erhalten. Dank der Mithilfe des Kreiskulturringes Eiderstedt und einer Zuwendung aus dem Sonderfonds vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein konnte die für den Arbeitsbeginn erforderlichen Geräte in absehbarer Zeit beschafft und die Tätigkeit aufgenommen werden.

Die Geräte gelangten zunächst rege zum Einsatz, indem Filme zu verschiedenen Veranstaltungen, zum Dorfabend und zur Altenadventsfeier gezeigt wurden. Bis zur Inbetriebnahme der neuen Schule (Dez. 1966) haben wir mit dem Tonteil des Projektors zu allen Schulfesten die Spiele mit Unterhaltungsmusik umrahmt.

Leider fand dieses Vorhaben seitens der Gemeinde nur wenig Verständnis, indem Anträge auf Zuschüsse zur Materialbeschafffung (Filmmaterial) negativ beschieden wurden. Lediglich auf Initiative des damaligen Gemeindevertreters Jacob-Heinrich Cornils stellte man uns je einen Film für die Altenadventsfeier 1958 und für den Schulneubau zur Verfügung. Um die vorhandenen Geräte dennoch zu nutzen, konnten wir in den Folgejahren nur Auftragsfilme fertigen (Kreiskulturring, Kreisringreiten in Tetenbüll, Witzwort, Tönning und Tating sowie vom Königsringreiten in St. Peter-Ording u.a.m.).


 

Die Theatermacher

Als nächstes Theaterstück folgte im Jahre 1961 das Lustspiel "Dat Sparkassenbook", welches zum Dorfabend aufgeführt werden sollte. Die noch fehlenden Darsteller konnten durch Neuaufnahmen angeworben werden. Eine Wiederholung dieses Spiels fand am 12. Mai 1962 im Kirchspielkrug in Welt (K. Meister) statt. Auch dieses Gastspiel war ein voller Erfolg und hat allen Beteiligten und Freunden unserer Gruppe viel Freude bereitet. Unvorhergesehen schloß sich noch ein kleiner gemütlicher Tanzabend der Veranstaltung an, weil die Theaterbesucher während des Bühnenabräumens bereits zu unserer Abschlußmusik mit dem Tanzen begonnen hatten.

Das Angebot zur Dorfabendausgestaltung war zu dieser Zeit noch recht vielseitig. Es konnten in der Regel jeweils zwei Schulklassen und einige Vereine Berücksichtigung finden. Daher benötigte man auch nicht in jedem Jahr ein Theaterstück. Im Jahre 1962 brachten die beiden Tetenbüller Schulklassen Aufführungen auf die Bühne, und 1963 bot der Boßelverein, welcher bis dahin noch keine Gelegenheit zur Mitwirkung hatte, die Aufführung eines Boßelspiels an, in dem Käthe Höppner und Kurt Struck [Anm.: beides Gründungsmitglieder der Kulturellen Laienspielgruppe] ausgeholfen haben.

1964 war unsere Gruppe wieder mit der Aufführung des Lustspiels "Dat Stadtfrollein" an der Programmgestaltung beteiligt. Für dieses Spiel konnten einige neue Mitspieler gewonnen werden. Die Aufführung in der Gastwirtschaft Walter Loof zeigte einen guten Erfolg.

Zu dieser Zeit hatte sich in Tetenbüll eine Landjugendgruppe konstituiert, die guten Zuspruch fand und unter Leitung von Sönnich Volquardsen recht rege tätig war. Verständlicherweise wollten die jungen Leute sich auch einmal im Theaterspiel versuchen. 1965 brachte die örtliche Landjugendgruppe das Theaterstück "De Kattenkrieg" von R. Hesse und 1966 das Lustspiel "De Eenspänner" von Paul Jessen zur Aufführung, wobei von uns ein wenig Hilfestellung in der Regie gegeben wurde.

Abschaffung + Wiederbelebung des Dorfabends

Am 1. April 1967 erfolgte die Amtsauflösung und der Abschluß einer Verwaltungsvereinbarung mit dem Amt Kspl. Garding / Osterhever. Die Gemeinschaft der Kulturvereine, die bis dahin Träger der Dorfabende war, wurde im gleichen Jahr aufgelöst und als Rechtsnachfolger am 6. Oktober 1967 der Ortskulturring Tetenbüll [OKR] gegründet. In der Gründungsversammlung sprach sich die Mehrheit der anwesenden Mitglieder für die Absetzung der Dorfabende aus, weil sie die Auffassung vertrat, daß diese Veranstaltungen als überholt und von der Zeit überrollt anzusehen seien.

Weil damit kein akuter Bedarf für ein Theatestück mehr vorlag, trat auch in unserer Gruppenarbeit zwangsläufig eine Ruhepause ein. Für die jüngere Generation folgten die modernen "Disco-Veranstaltungen", die mit den Schlagwörtern "Rockwelle" und "Beatwelle" zu umreißen sind. Mit dem Auftreten der "Folklorewelle" und "Nostalgiewelle" kam auch wieder die Frage nach einem Dorfabend und dem Theaterspiel auf. In der Frühjahrsversammlung 1975 des OKR wurde dann die Wiedereinführung der Dorfabende diskutiert. Mit Rücksicht auf das anstehende 700-jährige Marschkoogs-Jubiläum, welches ebenfalls im Herbst stattfinden sollte, beschloß man jedoch, die Angelegenheit bis zum nächsten Jahr zurückzustellen.

Für die Laienspielgruppe bedeutete dies bereits den Startschuß, die Vorarbeiten aufzunehmen. So galt es zunächst, die inzwischen durch den Fortzug von Mitgliedern geschrumpfte Mannschaft wieder aufzufüllen und spielfähig zu machen. Mit nicht allzugroßen Schwierigkeiten konnte die Gruppe der aktiven Spieler bald wieder aufgefüllt werden. Einige Sorgen bereitete uns jedoch die Ausstattung, weil die ehemaligen Kulissen nicht mehr vorhanden waren.

  
 

1976 hat uns die Theaterbühne wieder

In der nächsten Jahreshauptversammlung des OKR (1976) konnte die Einstudierung eines Einakters von uns zugesagt werden. Mit bereitwilliger Unterstützung des OKR ließen sich auch die letzten Schwierigkeiten hinsichtlich der Bühnenausstattung beheben. Am 16. Oktober 1976 konnte die Aufführung des Lustspiels "Gustav makt Karriere" starten. Aufgrund der langen Pause und der Tatsache, daß überwiegend neue Darsteller mitwirkten, konnten alle mit der erreichten Leistung durchaus zufrieden sein.

Der Gesamterfolg dieses Dorfabends ermutigte auch den OKR bereits im Jahre 1977 den nächsten Dorfabend vorzusehen. An der Programmgestaltung der weiteren Dorfabende - die nun wieder in regelmäßiger Folge stattfanden - waren wir jeweils mit einem Theaterstück beteiligt. Zur Aufführung gelangten:

1977: "Korl Gramlich regeert",
1978: "Maandagmorgen" und
1979: "Krischan weet Rat".

Die Leistungen konnten mit den weiteren Stücken ebenfalls weiter gesteigert werden. Auch die Auswahl der Spiele ließ sich mit rechtzeitiger Planung sorgfältiger treffen. Erfreulich war auch, daß die im Jahre 1976 neu erstellte Bühnenausstattung, deren Materialkosten im Wesentlichen der OKR übernahm, inzwischen weiter vervollständigt und verbessert werden konnte (Souffleurkasten u.a.m.).

Auch für das Jahr 1980 [Anm.: dem 20-jährigen Jubiläum der Laienspielgruppe] wurde ein Lustspiel ausgewählt, mit dessen Einstudierung im Spätsommer begonnen wurde, der Einakter "Dor liggt wat in de Luft" von Jens Exler.

Ab hier wird noch recherchiert und geschrieben

Damit beenden wir unsere Zitate aus der Festschrift des Jahres 1980 aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Kulturellen Laienspielgruppe Tetenbüll. Unser Gründervater Johannes Glismann ist leider vor wenigen Jahren verstorben. Wir werden sein Andenken auch weiterhin am besten dadurch in Ehren halten, dass wir seine Theaterchronik fortführen und zur anstehenden 50-Jahr-Feier veröffentlichen.


 

 
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Haus Peters: Sommeraus-stellung von Uwe Thomas Guschl "Häuser, Hütten, Scheunen, Ställe" vom 08.07. bis 24.09.2017.