Haus Peters - Vom Dorfladen zum Kulturzentrum

 

 

Haus Peters, Tetenbüll

Es war im Jahre 1765, als nach dem verheerenden Brand in der kleinen Dorfstraße ein junger Schneider aus Oldenswort, Tobias Peters (1738-1780), nach Tetenbüll heiratete. Die kleine Familie baute ein zweigeschossiges Reetdachhaus mit dem hier so typischen Friesengiebel über der Eingangstür. Ihr Sohn Paul Peters (1766-1842), gelernter Tischler, Zimmermann und Holzhändler, schuf eigenhändig den Kolonialwarenladen um 1820, den wir heute noch in seiner Funktion und vielen kunstvollen Details bewundern können. Drei Generationen betrieben den kleinen Laden in der Dorfmitte bis zum Jahre 1924. Dann lebte die Familie Peters, Mutter Anna und die beiden erwachsenen Kinder Paul und Luise, bis Anfang 1989 in dem Haus. Von ihnen können Wohn-, Schlafstube und Küche besichtigt werden sowie der Garten, der heute als Bauerngarten mit regionaltypischen Blumen und Stauden gestaltet ist. Dort finden jährlich in der 2. Juliwoche die beliebten Rosentage statt.

Das kleine Eiderstedter Kulturzentrum bietet viele Besonderheiten:

In der Giebelstube befindet sich das Horst-Janssen-Zimmer mit den Werken "Janssenhof" und "Eiderlandmappe".

 

 
 

Ferner werden mehrere Wechselausstellungen zu Kunst, Alltagskultur und Regionalgeschichte pro Jahr angeboten. Besonders sehenswert sind die Sonderausstellungen zur Geschichte des Warenhandels und der Markenwaren.

In dem so lebendig erhaltenen historischen Ladenraum können Geschenkartikel, Accessoires, Plakate, Bücher, Radierungen, Töpferwaren u. v. m. erworben werden.

 

  
 

Haus Peters:
Vom Dorfladen zum Kulturzentrum


Die Familie Peters, die fast 240 Jahre in diesem Haus gelebt hat, stammte ursprünglich aus Oldenswort. Tobias Peters, ein Schneider, verheiratete sich 1765 in Tetenbüll und wurde dort ansässig. Nach dem großen Brand in der Tetenbüller Straße (heute Dörpstraat) im Jahre 1762 sind einige Häuser wieder aufgebaut worden, darunter war wohl auch das Haus der Familie Peters. Um 1820 wurde von Paul Peters (1766-1842), der von Beruf Zimmermann, Tischler und Holzhändler war, der Kaufmannsladen eingerichtet. Seit etwa 1800 handelte er mit Gewürzen, Tabak, Salz und Essig. Wenig später kamen Ellen- und Kurzwaren hinzu, so dass es ihm finanziell möglich war, den Laden mit dieser ungewöhnlich repräsentativen Einrichtung auszustatten. Sie war nicht nur großzügig, sondern auch ausgesprochen modern und stand einem städtischen Geschäft in nichts nach.

Neben dem biedermeierlichen Laden mit der reich gegliederten Regal- und Schubladenwand sowie dem kleinen Vitrinenschrank, befindet sich im Tresen ein messingbeschlagener Schlitz, durch den das Bargeld in eine darunter angebrachte Kassenlade geworfen werden kann. Über dem Ladentisch hängen zwei sehr auffällige und individuell gearbeitete geschwungene Bretter. Diese Tütenschlangen zum Aufhängen von Spitztüten sind an den Enden mit geschnitzten Gänseköpfen versehen, die eine Bindfadenrolle halten.

Mit dem Tod von Johann Peters (1871-1924) wurde das Geschäft in der Inflationszeit im Februar 1923 aufgegeben. Es war unrentabel geworden. Seine beiden unverheiratet gebliebenen Kinder Paul (1899-1987) und Luise Peters (1900-1991) blieben mit ihrer Mutter Maria, einer geborenen Siemens (1877-1955) aus Garding, in dem Haus wohnen. Die Ladeneinrichtung ließen sie unangetastet.

Nach dem Tod der letzten Besitzer im Jahre 1988 erwarb die Gemeinde Tetenbüll das Haus und ließ es denkmalgerecht restaurieren. Seit November 1991 werden Gebäude und Laden vom „Förderverein Haus Peters e. V.“ betreut und die Räumlichkeiten der Öffentlichkeit – bei freiem Eintritt – zugänglich gemacht mit dem Ziel, das denkmalgeschützte Haus und den innenliegenden Kaufmannsladen als einen lebendigen, kulturellen Mit­telpunkt des Dorfes und der Region zu betreiben. Mehrere Sonderausstellungen pro Jahr werden angeboten.

 

 
 

Von der Familie Peters kann neben dem Laden die Schlafzimmer-, Wohnzimmer- sowie die Kücheneinrichtung betrachtet werden. Ferner sind auf Sonderflächen zahlreiche Exponate zur Geschichte des dörflichen Warenhandels ausgestellt. Der Besucher hat somit die seltene Gelegenheit, in der wohl ältesten und schönsten, noch  an ihrem Ursprungsort befindlichen ländlichen Hökerei in Schleswig-Holstein, Wohnen und Arbeiten im Umfeld von Dorf und Landschaft, dem Einzugsgebiet der ehemaligen Kundschaft des Ladens, zu erleben.

Ein weiterer Publikumsmagnet stellt das „Horst-Janssen-Zimmer“ dar. Der Bilderzyklus „Eiderlandschaften“ ist im Giebelzimmer des Dachgeschoßes dauerhaft unterge­bracht. Anlass ist der „Janssenhof“, ein Haubarg, den der Hamburger Künstler Horst Janssen Anfang der 1970er Jahre erwarb, und der nur wenige Kilometer entfernt von Tetenbüll am Flöhdorfer Weg 4 bei Witzwort liegt.

Das Haus Peters ist mit dem historischen Laden, mit Galerie- und Ausstellungsbetrieb ein Museum besonderer Art. Es knüpft an die Tradition des alten Dorfladens an, wo nicht nur Waren verkauft wurden, sondern der einstmals auch ein sozialer Treffpunkt der weit verstreut wohnenden Bevölkerung Tetenbülls war. Das denkmalgeschützte Haus bietet sich heute als offenes Forum für Kunst und Regionalkultur an. Seit seiner Gründung Ende 1991 bis heute haben fast 200.000 Gäste das kleine Haus besucht mit seinen über 60 Sonderausstellungen.

Lit.: Seidel, Brigitta: Haus Peters. Vom Kaufmannsladen zum Kulturzentrum, Tetenbüll 2006.

 

  

 
Aktuelles

 

 

 

 


Haus Peters: Sommerausstellung Otto Beckmann "Sehzeichen" – vom 23.07. bis 09.10.2016.