2. Wie arbeiten wir?
Die Schülerinnen und Schüler werden in vier jahrgangsgemischten Klassen 1 – 4 unterrichtet. Neben den Einführungsstunden in den Fächern Deutsch, Heimat- und Sachunterricht, Mathematik und Englisch, welche jahrgangsbezogen unterrichtet werden, haben die Kinder sechs Stunden jahrgangsgemischte Trainingszeit (Klasse 1 – 4), in denen neben den Übungsaufgaben auch Zeit für besondere Aufgaben und Materialien vorgesehen ist. Auch die Fächer Sport, Musik, Religion und Kunst werden jahrgangsgemischt 1 – 4 unterrichtet.
2.1. Grundlagen unserer Pädagogik
Mit der Neuordnung der Eingangsphase – SchülerInnen sollen die ersten zwei Jahre in einem, zwei oder drei Jahren bewältigen dürfen – ergab sich für uns die Notwendigkeit, den Unterricht in diesen Klassenstufen anders zu organisieren. Hinzu kam, dass alle Kinder eingeschult werden müssen. Im Klassenverband war es nicht zufriedenstellend möglich, jedem Kind gerecht zu werden und entsprechend seines Leistungsstandes zu fördern, zumal unsere Schülerzahlen deutlich stiegen.
Durch die Teilnahme von drei Kolleginnen am Montessori-Diplomkurs kamen wir zunehmend zu der Überzeugung, dass die Freiarbeit nach Montessoriprinzipien eine Hilfe bei der Lösung unserer Aufgaben sein könnte.
Mit Beginn des Schuljahres 1999/2000 wurden viele Montessori-Materialien beschafft. So lernen und arbeiten die Kinder aus den vier Klassen in den jeweiligen Räumen mit original Montessori-Materialien und Lernmitteln, die nach ihren Prinzipien konzipiert sind: integrierte Fehlerkontrolle, gestaffelter Schwierigkeitsgrad, Selbsttätigkeit, individuelles und gemeinsames Lernen, geringe Verbalisierung, Schlüsselfunktion, Ästhetik / Stabilität, Ganzheitlichkeit, Entwicklungsgemäßheit.
Ermutigt durch die guten Erfahrungen der jahrgangsübergreifenden Arbeit in der Freiarbeit richteten wir zum Schuljahr 2002/2003 6 jahrgangsübergreifende Klassen ein: 3x Klasse 1 / 2 und 3x Klasse 3 / 4. Zum Schuljahr 2009/2010 stellten wir unser Konzept auf vier jahrgangsgemischte Klassen 1 – 4 um. Die Erstklässler bekommen einen Paten aus den Klassen 2, 3 oder 4 an die Seite gestellt und die Eingewöhnungsphase sowohl für die Kinder als auch für die Lehrerinnen gestaltet sich dadurch sehr entspannt.
Die Einteilung der Erstklässler in ihre zukünftigen Klassen erfolgt nach ausführlichen Gesprächen mit den entsprechenden Kindertagesstätten und Kinderstuben. Schon im März und April finden Zusammenkünfte der Leitungen des Kindertagesstätte Garding, der Kinderstube Tetenbüll und der Naturspielgruppe Vollerwiek, sowie des Wald- und Wattkindergartens mit den Kolleginnen der Grundschule statt. Diese intensiven Kontakte ermöglichen es, eine optimale Zusammensetzung der einzelnen Klassen zu gewährleisten.
Um den künftigen Erstklässlern einen möglichst guten Übergang in die Schule zu ermöglichen, lädt der künftige Klassenverband zu Schuljahresende zu einem Schnuppertag ein.
2.2. In der Trainingszeit (ehemals Freiarbeit)
Die Trainingszeit umfasst sechs Unterrichtsstunden in der Woche. In diesen Stunden arbeiten unsere SchülerInnen in den Fächern Deutsch, Mathematik und HSU. Individualisierte Arbeitspläne ermöglichen eine individuelle Förderung, so dass selbstständig und im eigenen Tempo gelernt werden kann. Die Klassenlehrerinnen leiten diese Arbeit in ihrem Raum an, die mit Materialien umfangreich ausgestattet sind. Als Arbeitsplatz werden Tische und Boden im Fachraum sowie Nebenräume, Flure und die Eingangshalle genutzt.
Wenn die Lehrerin zu Rate gezogen werden muss, melden sich die Kinder mit ihrem Namensklotz in einer Art Warteschlange zur Beratung an. So kann sich die Lehrerin in aller Ruhe dem jeweils ersten Kind zuwenden und die übrigen Kinder wissen gleichzeitig, wann sie etwa mit der Hilfe rechnen können. Oft ist die Aussicht auf eine längere Wartezeit ein zusätzlicher Impuls, sich noch einmal unter den Mitschülern um Hilfe zu bemühen.
Die Deutschangebote schließen in den Jahrgängen 3 und 4 eine Leseecke / Klassenbücherei und eine Schreibwerkstatt ein. Hier werden die Schüler auf vielfältige Weise mit zahlreichen fantasieanregenden und alle Sinne ansprechenden Materialien zum Schreiben der unterschiedlichsten Textformen motiviert. Schreibkonferenzen werden einberufen, alle Texte überarbeitet und am Ende vorgestellt.
In den Regalen für den Heimat- und Sachkundeunterricht befinden sich Lernmaterialien zu folgenden Bereichen: Tierwelt, Mensch, Umwelt, Verkehrserziehung, Geschichte, Erdgeschichte, Erdkunde, Pflanzen und Technik / Experimente. Die Kinder haben im Laufe des Schuljahres die Möglichkeit, Bücher, Zeitschriften, Lernkisten, themengebundene Arbeitshefte, Arbeitsbögen, Lernspiele, Hörkassetten und Videos zu verschiedensten Themen selbst zu wählen. Am Computer stehen ihnen Lernprogramme zur Verfügung; außerdem dient u.a. auch das Internet als Nachschlagewerk für Sachwissen und Bilder. Zudem führen sie einige Aufträge selbstverständlich auch ins Schulbiotop. Vorrangige Ziele sind das Erlernen vielfältiger Lern- und Arbeitstechniken sowie die intensive möglichst selbstständige Aneignung von Themen, die die Kinder aus eigener Motivation wählen.
2.3. Im gebundenen Unterricht...
- werden die Kinder nach Klassenstufen unterrichtet.
- legen wir Wert auf möglichst fächerübergreifendes, handlungs- und projektorientiertes Arbeiten.
- werden Einführungen in Themen, Inhalte und Materialien gegeben.
- werden Aufgaben für die Trainingszeit und die Hausaufgaben in Form von Wochenplänen gegeben; sie
beinhalten zu einem großen Teil Übungsstoff.
- stehen in den sieben Räumen Computer mit diversen Lernprogrammen zur Verfügung. Alle Computer
sind untereinander vernetzt und haben Internet-Anschluss.
- können die Kinder seit Beginn des Schuljahres 2004/2005 in der Schule und zu Hause an dem
PC-Programm des Schroedel-Verlages „Antolin – Ermunterung zum Lesen“ arbeiten.
- werden Autorenlesungen als zusätzliche Lesemotivation angeboten.
- werden zusätzlich zum Bücherbestand der Schule regelmäßig Bücher in der mobilen Schülerbücherei
Schleswig, im wöchentlichen Bücherbus des Kreises und in der Husumer Stadtbücherei
Bücher ausgeliehen.
- sind Büchereibesuche in nächster Zeit vorgesehen.
- erarbeiten die Schüler anhand von Plänen weitgehend selbstständig die Bereiche „Geometrie“ und
„Größen“.
- nehmen die Kinder einmal im Jahr auf freiwilliger Basis am Mathematik-Wettbewerb „Känguru“ teil.
2.4. Regeln
Für die Trainingszeit und die gebundenen Stunden gelten feste Regeln:
- Alle im Raum sprechen leise.
- Jeder ist bereit, anderen zu helfen.
- Wer Hilfe braucht, wendet sich zunächst an ein anderes Kind.
- Wer die Hilfe der Lehrerin braucht, gibt sein Namensklötzchen ab und wartet, bis die Lehrerin Zeit
für ihn hat.
- Wenn Namensklötzchen auf einem Material (Computer) stehen, darf dieses Material nicht von anderen
Kindern benutzt werden.
- Keiner lenkt ein anderes Kind von der Arbeit ab.
- Wer mit der Arbeit fertig ist, kontrolliert sie sorgfältig.
- Alle Materialien werden auf ihren Platz zurückgebracht, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.
2.5. Vorteile
Diese Form der Arbeit (gebundene Stunden und Trainingszeit) hat sich an unserer Schule bewährt. Sie hat viele Vorteile, wir möchten hier nur die wichtigsten nennen:
- Jedes Kind wird dort abgeholt, wo es mit seiner Leistung und seiner Entwicklung steht (individuelle
Pläne).
- Jedes Kind arbeitet in seinem eigenen Rhythmus und Tempo.
- Die Selbstständigkeit wird deutlich gefördert.
- Das Kind lernt, seine eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen.
- Das Kind lernt, anderen zu helfen und die Hilfe anderer auch anzunehmen.
- Das Konkurrenzverhalten wird minimiert.
- Das Kind kann die Sozialform frei wählen.
- Schwächen in einem Fach können durch verstärkte Arbeit in der Trainingszeit dieses Faches besser
aufgefangen werden.
- Die Lehrkraft kann in Ruhe mit einem oder mehreren Kindern arbeiten.
2.6. Hospitationen
Durch unsere Kontakte zu den Montessorikursen in Aumühle und Niebüll besteht bei vielen KursteilnehmerInnen der Wunsch, in unserer Schule zu hospitieren. Auch die Schulleitungen und Kollegien anderer Schulen interessieren sich für unsere Art jahrgangsübergreifend zu arbeiten. So kommen zahlreiche Hospitanten in die Schule, die grundsätzlich gern gesehen sind. Aus organisatorischen Gründen bieten wir Hospitationstermine in bestimmten Zeitabschnitten (z.B. Zeugniszeiten, Weihnachtszeit) nicht an. Die Hospitanten werden vor und nach dem Zuschauen im Unterricht von der Schulleitung betreut und unter anderem auch über gewisse gewünschte Verhaltensregeln informiert, damit der Unterricht möglichst authentisch verlaufen kann.
Über das Lern- und Arbeitsverhalten der SchülerInnen werden die Eltern so lange wie möglich in Form von Tabellenzeugnissen informiert. Diese Art der individuellen und sehr genauen Information erwächst aus den pädagogischen Notizen, die fortlaufend auf Schüler-Karteikarten gesammelt werden und entspricht dem gemeinsamen pädagogischen Konzept. Mit Beschluss der Schulkonferenz wurden seit dem Schuljahr 1999/2000 daher auch in Klasse 3 keine Noten erteilt.
Mit Beginn des Schuljahres 2005/2006 wurde eine eigene Homepage eingerichtet, die zu Beginn des Jahres 2010 in den Internetauftritt Tetenbülls integriert wurde.
2.7. Als besondere Fördermaßnahmen ...
- werden Kinder mit Leselernschwierigkeiten in einer Leseintensivmaßnahme des Förderzentrums
St. Peter-Ording nach dem Kieler Leseaufbau gefördert.
- werden Kinder mit Entwicklungsrückständen im Bereich der Psychomotorik in einer speziellen
Motopädie-Förderung betreut.
- können auftretende Schwierigkeiten im Bereich Legasthenie zweimal im Jahr in einer besonderen
Sprechstunde von den Eltern mit der Legasthenie-Beauftragten der Schule erörtert werden.
- werden Kinder mit Entwicklungsrückständen im Bereich Sprache von einer Kollegin des
Förderzentrums St. Peter-Ording betreut.
2.8. In den Pausen…
- können die Kinder das im Frühjahr 2006 neu gestaltete Pausengelände nutzen. Mit ihm können wir allen
drei „Pausentypen“ (sich bewegen, sich zurückziehen, sich unterhalten) gerecht werden, so dass
die Kinder nach der Pause wirklich erholt und konzentrationsfähig in den Unterricht zurückkehren.
- stehen den Kindern in einem Gartenhaus diverse Spielgeräte zur Verfügung.
Stunden- und Pausenbeginn, sowie deren Ende werden individuell geregelt, ein allgemeines Klingelzeichen gibt es nicht mehr. Aus den großen Pausen werden die Kinder mit einer mobilen Glocke gerufen.
Vor der ersten großen Pause (20 Minuten) frühstücken die Kinder in ihren Klassenräumen. Hier wird besonderer Wert auf ein gesundes Frühstück gelegt.
Weiter zur Seite 3. Weitere Schwerpunkte





